Angsterkrankungen bei Kindern

Ängste und Sorgen sind normale Phänomene der Kindheit. Wenn Kinder jedoch längere Zeit unter starken Ängsten leiden, die sie in ihrer Lebensführung deutlich beeinträchtigen, spricht man von "Angststörungen".

In einer deutschen Studie von Ravens-Sieberer und Mitarbeitern (2007) zeigten sich Ängste als häufigste psychische Auffälligkeiten (9,3%) bei Kindern im Alter von 7-10 Jahren. Die Kriterien für eine Angststörung erfüllten in anderen Studien 9,5% der 8-Jährigen (Federer et al., 2000) und 18,6% der 12- bis 17-Jährigen (Essau et al., 2000). Je nach Angstinhalten und weiteren Symptomen können verschiedene Angststörungen unterschieden werden. Im Folgenden werden die drei häufigsten Angststörungen im Kindesalter näher beschrieben.


Trennungsangst

Bei dieser Angststörung steht die Angst vor einer Trennung im Mittelpunkt. Bei fast allen Kindern entsteht in einem bestimmten Alter Angst, von wichtigen Bezugspersonen, in der Regel den Eltern, getrennt zu werden. Diese Angst gehört zur normalen Entwicklung von Kindern und verschwindet zumeist wieder. Bei manchen Kindern entwickelt sich jedoch eine überdauernde Angst vor oder bei einer Trennung von den Eltern. Diese Kinder befürchten, es könnte ihnen oder den Eltern etwas passieren, was zu einer dauerhaften Trennung führen könnte. Man spricht dann von einer Störung mit Trennungsangst. Trennungsangst ist die häufigste Angststörung bei Kindern. Nach einer Studie von Federer und Mitarbeitern (2000) litten 2,8% der untersuchten Kinder im Alter von 8 Jahren unter einer Störung mit Trennungsangst. Oft kommt es im Rahmen einer solchen Störung mit Trennungsangst zu einer deutlichen Beeinträchtigung des Kindes, z.B. wenn kein Schulbesuch mehr möglich ist. Andere Situationen, die für Kinder mit Trennungsangst häufig schwierig sind, sind alleine einzuschlafen, bei anderen Kindern zu übernachten und tagsüber alleine zu Hause zu bleiben. Die Kinder versuchen diese Situationen wenn möglich zu vermeiden. Ist die Trennung unvermeidbar, so reagieren sie oft mit Kummer oder Aggressivität und zeigen Verhaltensweisen wie Weinen oder Schreien. Auch körperliche Symptome wie Kopf- oder Bauchschmerzen sind häufig.


Generalisierte Angststörung

Manche Kinder leiden unter unangenehmen Sorgen über unterschiedliche Themenbereiche. Sind diese Sorgen sehr intensiv und häufig, spricht man von einer Generalisierten Angststörung. Die Häufigkeit der Generalisierten Angststörung bei 7- bis 17-Jährigen, erfasst über die Befragung der Eltern, lag nach einer Studie von Sauer und Mitarbeitern (2014) bei 5,6%, die der 11- bis 17-Jährigen, erfasst über den Selbstbericht der Kinder bzw. Jugendlichen, bei 10,9% (Sauer et al., 2014). Dabei grübeln die betroffenen Kinder intensiv über verschiedene Ereignisse oder Tätigkeiten und können diese Sorgen nur schwer kontrollieren. Typisch für Kinder mit dieser Angststörung sind Ängste in Bezug auf Schulleistungen, sportliche Kompetenzen oder Freundschaften. Oft geht es bei den Sorgen aber auch um Themen, die für Kinder eher unüblich sind, wie Sicherheit, Gesundheit oder Pünktlichkeit. Kinder mit einer Generalisierten Angststörung sind häufig darum bemüht, Rückversicherung und Anerkennung von anderen Personen zu bekommen. Deshalb fragen sie oft nach Bestätigung und verhalten sich meist sehr gewissenhaft und angepasst. Manchmal vermeiden die Kinder bestimmte Tätigkeiten (z.B. Prüfungen, Hausaufgaben, neue Situationen) aus Angst, dabei Fehler zu machen. Viele Kinder mit Generalisierter Angststörung leiden unter häufiger Anspannung, Reizbarkeit und Schlafproblemen. Oft treten auch körperliche Beschwerden wie zum Beispiel Kopf- oder Bauchschmerzen auf.


Soziale Phobie

Andere Kinder mit einer Angststörung leiden unter der Angst, von anderen Menschen kritisch beobachtet und negativ beurteilt zu werden. Diese Kinder befürchten, sich peinlich zu verhalten oder Anzeichen ihrer Angst (z.B. Erröten oder Zittern) zu zeigen, welche die anderen anwesenden Personen wahrnehmen könnten. Die Angst tritt in sozialen Situationen (z.B. Essen in der Öffentlichkeit, Gruppenaktivitäten wie Partys) oder Leistungssituationen (z.B. etwas vorlesen, Sprechen in der Öffentlichkeit) auf. Wenn eine solche Angst über längere Zeit bestehen bleibt und sehr intensiv ist, bezeichnet man sie als Soziale Phobie. Für die Soziale Phobie im Kindes- und Jugendalter ergaben sich in Studien Häufigkeitsschätzungen von 0,4% bei 8-Jährigen (Federer et al., 2000) und 1,6% bei 12- bis 17-Jährigen (Essau et al., 2000). Die Soziale Phobie führt meist dazu, dass die Kinder Situationen, in denen sie mit Menschen zusammenkommen vermeiden. Auch haben betroffene Kinder z.B. oft große Angst davor, Referate in der Schule zu halten oder Kindergeburtstage zu besuchen. Häufig entwickeln Kinder mit Sozialer Phobie auch bestimmte Verhaltensweisen (z.B. sich im Unterricht nicht melden), um zu verhindern, dass andere Personen ihre Angst wahrnehmen oder sie sich peinlich verhalten.


Die Behandlung von Angststörungen

Eine Angststörung beeinträchtigt Kinder in ihrer Lebensführung und kann zu erheblichem Kummer für das betroffene Kind, aber auch für Familienangehörige führen. Mitunter werden Ängste bei Kindern als "Schüchternheit" missverstanden. Dabei ist allen Angststörungen gemeinsam, dass sie unbehandelt eher chronisch verlaufen, durch Psychotherapie aber sehr gut behandelt werden können. Eine möglichst frühzeitige Therapie der Ängste ist daher ratsam. Wenn Ihr Kind unter Ängsten leidet, sollte das mögliche Vorliegen einer Angststörung in einem sorgfältigen diagnostischen Gespräch mit Ihnen und Ihrem Kind durch einen Experten abgeklärt werden.

Behandlungsmöglichkeiten im Rahmen der ASK-Studie finden Sie hier